Dienstag, 31. Juli 2012

Buchrezension: Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry von Rachel Joyce

Harold Fry

Harold Fry lebt mit seiner Frau in einem Haus in Südengland, beide sind bereits pensioniert. Das Leben in dieser idyllischen Nachbarschaft wird geprägt von der Routine. Da erreicht Harold ein Brief seiner ehemaligen Arbeitskollegin Queenie, die Krebs hat und in einem Hospiz in Nordengland im Sterben liegt.

Diese Nachricht wirft Harold aus seinem geordneten Alltag. Er schreibt Queenie einen kurzen Brief zurück. Auf dem Weg zum Briefkasten denkt er über sein Leben nach. Weil der Weg so schnell vorbei war, entschließt Harold sich, den Brief im nächsten Briefkasten einzuwerfen. Doch auch dort ist er schnell angekommen. Das ist der Beginn von Harolds Pilgerreise.

Auf seinem Weg erfahren wir mehr über das Leben von Harold und seiner Frau. In der Vergangenheit sind einige Dinge passiert, die sehr erschreckend sind und die man anfangs nicht im Entferntesten vermutet.

Fazit:
Auch wenn mich die Pilgerreise von Harold Fry nicht von Anfang an interessiert hat bin ich froh, das Buch gelesen zu haben. Denn es steckt voller Lebensweisheiten, die mich berührt und auch nachdenklich gestimmt haben. Ausschlaggebend dafür, dass ich das Buch weitergelesen habe, war folgendes Ereignis:

Einer der ersten Personen, die Harold auf seiner Reise trifft, ist ein Mädchen an einer Tankstelle. Sie erzählt Harold, dass auch ihre Tante Krebs hat.

"Man muss daran glauben, dass ein Mensch wieder gesund werden kann. Unser Geist ist viel größer, als wir begreifen. Wenn wir fest an etwas glauben, können wir alles schaffen."

Ein weiteres Beispiel für dieses außergewöhnliche Buch war der Satz einer anderen Person, der Harold auf seinem Weg begegnet ist:

"Ich glaube nicht, dass sich unsere Wege noch einmal kreuzen werden, aber ich bin froh, dass wir uns begegnet sind. Ich bin froh, dass wir miteinander gesprochen haben."

Ich hoffe, Ihr habt einen Eindruck bekommen, wie tiefsinnig das Buch ist. Meiner Meinung nach ist es sehr inspirierend und macht Mut, sich selbst auf den Weg zu machen.

Von mir gibt es eine ausdrückliche Kaufempfehlung für alle, die gerne philosophische Bücher oder außergewöhnliche Geschichten lesen.

Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry von Rachel Joyce
Hardcover: 384 Seiten
Erscheinung: 16.05.2012
Verlag: Krüger Verlag
ISBN: 978-3-8105-1079-2
empfohlener Verkaufspreis: 18,99 € [D]
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Sonntag, 22. Juli 2012

Buchrezension: Disconnected – Da war’n es nur noch drei von Ina Bruhn

disconnectedSeit ein paar Monaten benimmt Jonathan sich merkwürdig. Seine Freunde Mateus und Nick verstehen die Welt nicht mehr. Jonathan kündigt ihnen die Freundschaft, verlässt das Gymnasium und trifft sich mit merkwürdigen Typen.

Als Jonathan dann auch noch zusammengeschlagen wird wollen die Freunde unbedingt herausfinden, was mit Jonathan los ist. Doch dieser spricht nicht mit ihnen. Dann verschwindet Jonathan auf einmal spurlos.

Fazit:
"Da war'n es nur noch drei" hat mich von Anfang an begeistert. Bereits am Schreibstil erkennt man, dass dies eine Buchreihe für Jugendliche ist. Flüssig zu lesen und umgangssprachlich geschrieben lernen wir drei Jungs kennen, die eine starke Freundschaft verbindet.

Auch als Jonathan ihnen die Freundschaft kündigt hält dies seine Freunde nicht davon ab, sich um ihn zu sorgen und ihm helfen zu wollen. Nur wobei, das wissen sie nicht. Nach und nach werden auch sie in eine Welt gezogen, die brutal und gefährlich ist. Doch ihre Freundschaft zu Jonathan ist stärker, und als er verschwindet setzen sie alles daran, ihren Freund zu finden.

"Da war'n es nur noch drei" ist ein gelungener Auftakt zu einer Krimireihe für Jugendliche. Das Besondere an dieser Krimireihe: sie wird von 3 Autoren geschrieben, jeder Autor hat 2 Bücher verfasst jeweils aus der Sicht eines der drei Protagonisten.


Disconnected - Da war'n es nur noch drei von Ina Bruhn
gebundene Ausgabe: 208 Seiten
Erscheinung: Januar 2012
Verlag: KOSMOS Verlag
ISBN: 978-3-440-12816-9
empfohlener Verkaufspreis: 10,99 € [D]
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Buchrezension: Vango – Zwischen Himmel und Erde von Timothée de Fombelle

VANGOParis, 1934. Zusammen mit vierzig anderen weiß gekleideten Männern wartet Vango, 19 Jahre, ausgestreckt auf den Pflastersteinen vor Notre-Dame auf seine Priesterweihe. Doch dazu kommt es nicht. Vango muss fliehen. Mord wird ihm vorgeworfen. Eine waghalsige Verfolgungsjagd beginnt, die Vango über die Dächer von Paris bis an den Bodensee und an Bord eines Zeppelins nach Sizilien führt, weiter auf die äolischen Inseln seiner Kindheit und schließlich nach Schottland zu seiner großen Liebe, der geheimnisvollen Ethel. Immer auf der Flucht und getrieben von der Frage: Wer bin ich? Denn Vangos Herkunft ist auch ihm selbst ein Rätsel ... und scheint doch der Schlüssel, um dahinterzukommen, wer genau ihm nachsetzt und vor allem warum seine Verfolger so umbarmherzig sind.

Fazit:
Schon der Einstieg in das Buch ist spannend. Vango, ein junger Mann, der zum Priester geweiht werden soll, wird plötzlich verfolgt. Er soll einen Mord begangen haben.

Immer wieder gibt es Rückblicke in die Vergangenheit, in der man mehr über Vango erfährt. Zunächst wird die Kindheit von Vango geschildert, seine merkwürdige Ankunft mit seiner Amme auf einer Insel. Er weiß nichts über seine Vergangenheit oder seine Herkunft. Vango wächst auf dieser einsamen Insel auf, abseits vom Trubel und sehr naturverbunden.

Sehr gut gefallen hat mir, wie der Autor Fakten aus der europäischen Geschichte einbringt, beispielsweise Stalin oder auch Hugo Eckener und sein bekanntes Luftschiff "Graf Zeppelin".

Es ist ein Jugendbuch, das man nicht nur wegen den geschichtlichen Fakten aufmerksam lesen sollte. Es kommen viele Charaktere vor, deren Schicksale miteinander verbunden sind. Es ist spannend, wie sich diese verschiedenen Geschichten letztendlich in die Handlung einfügen. Aber hier möchte ich nicht zu viel verraten.

Vango - Zwischen Himmel und Erde ist der erste von zwei Teilen des Abenteuerromans für Jugendliche. Der zweite Teil "Vango - Prinz ohne Königreich" ist bereits erschienen. Meine Rezension hierzu folgt demnächst.


Vango - Zwischen Himmel und Erde von Timothée Fombelle
gebundene Ausgabe: 400 Seiten
Erscheinung: 30.06.2011
Verlag: Gerstenberg Verlag
ISBN: 978-3-8369-5365-8
empfohlener Verkaufspreis: 16,95 € [D]
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Samstag, 14. Juli 2012

Buchrezension: Samuel Koch – Zwei Leben von Christoph Fasel

SKSamuel Koch sitzt im Rollstuhl. Er ist vom Hals abwärts gelähmt, kann sich kaum bewegen. Aber er kann denken und fühlen. Und er kann hoffen. Hier erzählt er von seinem Leben vor dem Sprung. Wie er zu "Wetten dass..?" kommt. Davon, wie der Unfall geschieht. Das ist der Augenblick, in dem sein zweites Leben beginnt: Schock, Verzweiflung, Schmerz und Wut. Doch er trifft die Entscheidung, nicht aufzugeben. Und an dem festzuhalten, was ihn trägt. Radikal ehrliche Schilderungen eines jungen Mannes, der nichts mehr zu verlieren hat, sondern nur noch gewinnen kann. Und eine Einladung, die Kostbarkeit des Lebens neu zu schätzen.

Fazit:
"Zwei Leben" - kein Titel könnte passender sein für dieses Buch. Millionen Menschen haben den schlimmen Unfall von Samuel Koch live bei der Unterhaltungssendung "Wetten dass..?" verfolgt. Ich gehöre nicht dazu, aber dennoch wurde in den Medien so viel über diesen jungen Mann berichtet, dass man seinen Namen kennt.

Ich war wirklich sehr positiv überrascht von diesem Buch. Wir lernen einen sportbegeisterten Samuel Koch kennen, der immer in Bewegung ist und neue Sportarten ausprobiert. Das erste Drittel des Buches handelt von der Zeit vor seinem Unfall und wie er überhaupt zu Wetten dass..? kam. Interessant empfand ich auch die Vorbereitungen zur Sendung, die das ZDF sehr aufmerksam gestaltet.

In den weiteren Kapiteln werden dann der Unfall und die Zeit nach dem Unfall geschildert. Die sehr dramatischen Operationen, die einem bewusst machen, wie lange Samuel Koch um sein Leben gekämpft hat. Und obwohl er nicht nur eine sehr schwere Zeit hinter sich hat, sondern auch immer wieder Rückschläge ertragen musste hat er nie seinen Humor, seine Lebensfreude verloren.

"Und deshalb glaube ich lieber daran, dass das alles nicht nur ein blöder Unfall gewesen ist und fertig, sondern dass auch dieses Kapitel meines Lebens zu einer Geschichte gehört, die noch nicht zu Ende ist."

Ich bewundere ihn für seinen Glauben an Gott, den er trotz seines Schicksals nie verloren hat.

"Samuel Koch - Zwei Leben" enthält viel Bildmaterial und wird abgerundet durch ein Vorwort von Thomas Gottschalk, sowie ein Nachwort von Michelle Hunziker.

Ein bewegendes Buch, das den Leser nicht nur nachdenklich stimmt, sondern auch motiviert, das beste aus seiner Lebenssituation zu machen und niemals den Mut zu verlieren.
Dieses Buch hat mich berührt und motiviert. Ich bin mir nicht sicher, ob Samuel Koch sich darüber im Klaren ist, wie wertvoll sein Buch für viele Menschen sein kann.

Thomas Gottschalk hat es in seinem Vorwort perfekt zusammengefasst:
"Viele Menschen ereilt jeden Tag ein ähnliches Schicksal wie Samuel, und irgendetwas kann auch unser Leben schon morgen in eine völlig andere Bahn werfen. Ich wünsche uns dann die Kraft, die ich im Buch von Samuel finde."

Samuel Koch - Zwei Leben von Christoph Fasel
gebundene Ausgabe: 208 Seiten
Erscheinung: 04.2012
Verlag: adeo Verlag
ISBN: 9783942208536
empfohlener Verkaufspreis: 17,99 € [D]
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Dienstag, 3. Juli 2012

Buchrezension: Fünf Männer für mich von Annette Meisl

5 männer für michAnnette findet nach fünfzehn vermeintlich glücklichen Ehejahren heraus, dass ihr Mann sie seit bereits 4 Jahren betrügt.


Schnell schickt sie diesen in die Wüste und startet ein Experiment: nicht ein neuer Mann muss her, sondern 5. Sie nennt dies das 5L Projekt (Fünf-Lover-Projekt).


Selbstbewusst sucht sie über verschiedene Wege Männer für ihr Projekt. In der Nachbarschaft, im Internet oder auch in Bars. Witzig und charmant erzählt sie diesen von ihrem Vorhaben, offen und ehrlich.


Was Annette bei ihrem Projekt wiederfährt, wie die Umwelt auf dieses Vorhaben reagiert und ob man sich so vor den Enttäuschungen der Liebe schützen kann schildert sie in diesem Buch.


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Fazit:

Das Projekt hat mich interessiert, weswegen ich gespannt auf das Buch war. Annette muss nach 15 Ehejahren feststellen, dass ihr Mann sie seit 4 Jahren betrügt. Diesen Tag bezeichnet sie als Tag 0. Von da an will sie sich nicht mehr auf nur einen Mann einlassen. Sie errechnet, dass 5 Männer eine gute Zahl ist. Bei zwei Männern ist die Gefahr zu groß, dass ein Mann abspringt und sie doch wieder mit nur einem Mann dasteht. Von drei Männern ist man auch gleich wieder bei zweien angekommen, weswegen sie sich letztendlich für die Zahl 5 entscheidet.


Ist es wirklich so einfach, 5 Männer zu finden, die sich auf eine Frau einlassen, obwohl sie offen zugibt, dass sie gleich 4 andere Geliebte hat? Annette ist dies gelungen. Sie unternimmt einiges und lässt sich meiner Meinung nach auch auf ein hohes Risiko ein: immer wieder trifft sie sich mit Männern, die sie im Internet kennenlernt. Anfangs ist sie noch sehr vorsichtig, doch mit der Zeit werden diese Treffen zur Selbstverständlichkeit.


Erstaunlich sind die Meinungen des Freundes- und Bekanntenkreises. Als Annette hier von ihrem Vorhaben erzählt, erhält sie durchweg positives Feedback. Dies hat mich sehr erstaunt: glaubt denn keiner mehr die eine große Liebe?


Anscheinend sind die Frauen alle sehr abgehärtet durch ihre Erfahrungen. Vielleicht kann man dies erst im fortgeschrittenen Alter nachvollziehen. Annette hat auch einige Türkinnen im Freundeskreis, da ihr Ex-Mann ein Türke ist. Selbst diese Frauen, die ich immer für überwiegend konventionell gehalten habe, finden das 5L Projekt gut und unterstützen Annette.


Annette sieht sich vor ihrem Tag 0 als "Mauerblümchen", mit der Entscheidung zum 5L Projekt wandelt sie sich schlagartig. Sie kleidet sich neu ein und ist sehr selbstbewusst. Diese Wandlung geschieht direkt nach der Trennung. Andere Frauen würden nach so einem Schock zunächst die Trennung verarbeiten, doch Annette stürzt sich sofort auf das "Männerprojekt". Ich konnte diese schnelle Verwandlung nicht begreifen.


Letztendlich durchlebt Annette auch bei ihrem Projekt, dass man Gefühle nicht abschalten kann und einmal droht das Projekt sogar zu scheitern, als sie sich in einen der 5 Lover verliebt.


An sich geht es hier um ein erstaunliches und durchaus interessantes Projekt, das in einem Roman verpackt ist. Ich habe mich gut unterhalten, auch wenn ich vieles nicht nachvollziehen konnte.


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Fünf Männer für mich von Annette Meisl
Klappenbroschur: 304Seiten
Erscheinung: 23.04.2012
Verlag: Südwest Verlag
ISBN: 978-3-517-08759-7
empfohlener Verkaufspreis: 16,99 € [D]
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Sonntag, 1. Juli 2012

Buchrezension: Die Shakespeare-Schwestern von Eleanor Brown

Die Shakespeare-Schwestern

Die Schwestern Rosalind (Rose), Bianca (Bean) und Cordelia (Cordy) sind in einem behüteten Heim aufgewachsen. In der Familie sind alle begeisterte Leser, selbst in schwierigen Situationen greifen sie zu einem Buch. Dies haben sie vor allem ihrem Vater zu verdanken, der selbst im Alltag immer wieder einzelne Verse aus Shakespeares Werken zitiert. Und auch die Namen seiner Mädchen sind kein Zufall, sind sie doch alle nach Figuren von Shakespeare benannt.

Auf den ersten Blick erscheinen die Schwestern sehr unterschiedlich. Rose, die Älteste, ist ihrem Ort treu geblieben und verspürte noch nie das Verlangen, umzuziehen. Sie fühlt sich selbst als Fels in der Brandung, ohne den die Familie zerbrechen würde.

Bean, die mittlere Schwester, zog es gleich in die große Stadt: New York. Hier lebt sie seit ein paar Jahren und genießt anscheinend ein Leben in Saus und Braus.

Cordy ist das Nesthäckchen, das nie erwachsen wird, sich von einem Ort zum nächsten treiben lässt. Sie übernimmt keine Verantwortung und wenn sie nicht mehr weiter weiß werden die anderen ihr schon zur Hilfe eilen.

Bean und Cordy können sich ein Leben in der Kleinstadt nicht mehr vorstellen, doch dann erhalten Sie einen Brief von ihrem Vater, der alles ändert. Genau zum richtigen Zeitpunkt, denn Bean wurde gefeuert und muss New York hinter sich lassen. Und auch Cordy hat ein Geheimnis, dem sie sich stellen muss.

Fazit:
Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Anfangs war es etwas langatmig, aber mit der Heimkehr der Schwestern Bean und Cordy beginnt die interessante Geschichte.

Ein Schmunzeln entlockte mir immer wieder der Vater, der kaum einen Satz ohne ein Zitat sprechen konnte. So erfuhren die Mädchen auch von der Krankheit ihrer Mutter:

"Kommt, gehn wir; und zu allen Göttern fleht für unsere Mutter, die in Wehen liegt".

Nun ja, in Wehen liegt darf man nicht wörtlich nehmen, denn sie hat Krebs. Aber davon hatte Shakespeare nie etwas geschrieben, und so hat sich der Vater mit einer ähnlichen Textstelle beholfen.

Meistens binden sich die Zitate sehr gut in die Handlung ein. Man muss auch keine Sorgen haben, wenn man kein Fan von Shakespeare ist: die Zitate halten sich in Grenzen.

Das Buch ist eine schöne Familiensaga, um drei Schwestern, die letztendlich feststellen, dass sie gar nicht so unterschiedlich sind, wie sie denken.


Die Shakespeare-Schwestern von Eleanor Brown
Klappenbroschur: 374Seiten
Erscheinung: 21.05.2012
Verlag: insel Taschenbuch
ISBN: 978-3-458-35835-0
empfohlener Verkaufspreis: 14,99 € [D]
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